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Sag Ja zum Nein! Beziehungsvoll und stärkend durch die Trotzphase

Aktualisiert: 3. Apr.

Stärkende Impulse, damit du nicht immer das Gefühl hast Ja sagen zu müssen, warum du dich viel öfter trauen solltest Nein zu sagen und wie du bei Wutausbrüchen in Beziehung mit deinem Kind bleiben kannst.

Nein sagen ist okay


Ja, es geht! Du kannst deinem Kind liebevoll Grenzen setzen. Du darfst Nein sagen und darfst gleichzeitig den Ärger oder die Enttäuschung deines Kindes nachvollziehen und am Ende trotzdem bei deinem „Nein“ bleiben. Lässt du alte Erziehungsmuster und Überzeugungen los und bleibst in herausfordernden Situationen bei deinem Kind, hilfst du ihm/ihr zu verstehen, dass ein Nein, kein Nein gegen sie selbst ist und, dass unterschiedliche Bedürfnisse nichts an eurer Beziehung ändern. Du lebst deinem Kind so vor, dass Nein sagen okay ist, Gefühle zum Leben dazu gehören und gibst deinem Kind so die Chance zu einer sozial-emotional starken Persönlichkeit zu er-wachsen.



„Nein“ aus Liebe


Damit du dir nicht eine*n kleine*n Tyrannin /Tyrannen erziehst, der/die es nie gelernt hat ein Nein zu hören und Grenzen zu akzeptieren, lade ich dich ein Nein sagen zu üben. Denn Nein zu etwas zu sagen heißt auch Ja zu sich selbst und seinen eigenen Grenzen zu sagen. Zu dir selbst Ja zu sagen, sorgt für dein Wohlbefinden und gibt dir mehr Kapazitäten die Gefühle deines Kindes auszuhalten. Nein zu sagen, ohne Blümchen drum herum oder kreative Aussparungsversuche des „bösen“ Wortes, hilft deinem Kind eine klare Antwort auf sein kindliches Bedürfnis nach Orientierung und Sicherheit zu bekommen.



Grenzenlos frei und völlig überfordert


Kleinkinder fordern uns stetig heraus, bringen uns an unsere Grenzen oder trampeln einfach über sie drüber. Manche mehr, mache weniger. Und das liegt natürlich nicht am mangelnden Respekt, sondern an einer noch vorhandenen wunderbaren Selbstfürsorge. Kinder hören ausschließlich ihre Bedürfnisse und sind sehr gewillt, diese erfüllt zu bekommen. Gehen wir nun stetig nur nach den Bedürfnissen unserer kleinen Autonomen hat das nichts mit bedürfnisorientierter oder beziehungsvoller Erziehung zu tun, sondern ist einfach nur Kind zentriert und am wahren Leben vorbei. Wir verwehren ihnen das Erleben von unterschiedlichen Gefühlen und übergehen unsere eigenen. Kaum zu glauben, aber manchmal machen Kinder auch Dinge, weil ihnen einfach tatsächlich noch nie einer klar gesagt hat, dass, das nicht geht.


Deine Grenze ist der Halt für dein Kind


Nein zu sagen heißt auch Verantwortung zu übernehmen: Für sich und für sein Kind. Gerade in der Autonomiephase (bekannt als Trotzphase) sind Kinder dafür bekannt vermeintlich Grenzen auszutesten. Sie erkennen, dass sie Individuen sind und Dinge anders machen können, als Mama oder Papa. Aber hat Mama mich auch noch lieb, wenn ich Dinge jetzt anders mache? Eigene Ideen habe oder eben merke, dass ich auch Nein sagen darf? Auch Kinder wollen gesehen und gehört werden. Sie wollen uns Erwachsene weiter kennenlernen, greifbar und einschätzbar wissen. Sie wollen kooperieren & dazugehören, die „Spielregeln“ verstehen, damit sie sich frei, geborgen und sicher entwickeln und in der Welt bewegen können. Spielen wir dieses Spiel nicht mit, sondern bleiben Diener unserer Kinder, (wie im ersten Lebensjahr unerlässlich) erfüllen wir nicht ihr Grundbedürfnis nach Orientierung und Sicherheit. Und so kann es passieren, dass sie völlig orientierungslos und überfordert immer weiter Grenzen suchen in der Hoffnung sie irgendwann zu finden. Also denk dran: Deine Grenze, ist der Halt für dein Kind.



Beziehungsvoll und mitfühlend in Gefühlsstürmen

Genauso wenig, wie dein „Nein“ sich gegen dein Kind richtet, richtet sich auch nicht jeder Gefühlssturm gegen dich.


„Die größte Herausforderung bei der Emotionsbegleitung unserer Kinder, ist unsere eigene Gefühlswelt.“


Wenn dein Kind gefühlsstark auf eine Situation reagiert, übe dich im Differenzieren: So ist dein Kind nicht immer trotzig oder wütend, weil du etwas falsch gemacht hast. Manchmal ist es auch frustriert, weil die Antwort nicht ist, wie erwartet oder es sich schämt, weil etwas nicht geklappt hat. Manchmal erschrickt es sich auch vor etwas, was wir gar nicht mitbekommen haben oder es ist eben traurig, dass etwas nicht so in Erfüllung geht, wie gedacht. Manchmal überrennt unsere Kleinsten auch ein Gefühlssturm, weil etwas völlig Unerwartetes passiert ist und sie darüber so überrascht sind. Ein anderes Mal wissen sie selber nicht, was nun im Inneren los ist und genau dafür brauchen sie dich so sehr: Als Begleiter, Trainer, Regulator, Schulter zum Anlehnen und als Sprecher, für das, was im Inneren gerade los ist und sie noch keine Worte haben.



Selbst- und Fremdaggression in der Wut


Hat sich bei deinem Kind so viel Wut angestaut, dass es zu einem starken körperlichen Wutausbruch kommt, auch eben „gegen dich“, vermeide Sätze wie „Also, wenn du mich haust, dann kann ich dir nicht helfen“ oder „Ich mache so viel für dich und nun bitte ich dich einmal, dass du nicht…und dann machst du hier so ein Drama.“ Auch wenn es nicht so aussieht und es auch wirklich herausfordernd ist: Gerade bei solch überwältigenden Gefühlen braucht dein Kind dich am meisten. Bleib in deiner Erwachsenenrolle und sage dir selbst: „Okay, du bist gerade überfordert. Ich helfe dir, dich wieder zu fangen.“ Spucken, Hauen oder Kneifen können alles Anzeichen für inneren Druck und Überforderung sein. Wenn jetzt noch viele Worte auf dein Kind einströmen, ist das nicht beruhigend, sondern noch reizüberflutender.


„Gefühle sind wichtig.

Sie sind die automatische Reinigung unserer Seele.“


Natürlich sollst du dich von deinem Kind nicht hauen lassen und natürlich bedarf es einer klaren Grenze. Hier reicht aber auch wieder ein für sich alleinstehendes „Stopp“, oder „Nein!“. Hilf deinem Kind aktiv ohne viele Worte Alternativen zum Abreagieren zu finden: Ein Kissen zum Boxen, Knete oder ein Stressball zum Drücken, auf den Boden stampfen, Papier zerreißen, Auszeit in der Hängematte. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Klar sollte werden, dass die eigene Wut sich nicht gegen sich selbst und andere Personen richten darf und ihr das eben gemeinsam übt. Immer und immer wieder. Bleib bei deinem Kind und lass es nicht alleine mit seinen Gefühlen. Die Nachbesprechung (Alters- und Entwicklungsabhängig) macht erst, wenn das Gehirn wieder im normalen Zustand ist und der Gefühlssturm vorüber. Und noch ein wichtige Information: Kleine Kinder hauen nicht mit dem Ziel jemandem wehzutun. Es ist ein Impuls als Folge überwältigender Gefühle, über den sich dann meist selbst erschrocken sind.



Den Trotz wertschätzen und die Autonomie erkennen


Auch wenn ich hier zum Nein sagen aufrufe und es Kinder am Ende in ihrer Sozialkompetenz stärkt, wenn nicht immer alles nach ihren Vorstellungen läuft, sage ich „Ja“ zu achtsamer, beziehungsvoller und kooperativer Begleitung von Kindern und ihren Gefühlen. Ich meide den Ausdruck „Trotzphase“, da er dem Entwicklungs- und Behauptungswillen unserer Kleinsten nicht gerecht wird und bevorzuge die Bezeichnung „Autonomiephase.“ Statt Kinder durch Bewertungen wie „willensstark“, „eigen“, „trotzig“ oder „Dramaqueen“ in eine Rolle zu zwängen, braucht es Erwachsene, die, die Trotzphase als Autonomiephase anerkennen und diese Haltung in den Alltag einfließen lassen. Nicht durch eine „Laissez-faire-Haltung“ oder Kind Zentrierung, sondern durch einen Rahmen der im Inneren Entwicklung zulässt, Freiraum zum Ausprobieren und Selbsttätigkeit hat und durch seine Begrenzung Halt und Sicherheit gibt und so Überforderung und Orientierungslosigkeit vermeidet.



Und zum Schluss noch ein Ausrufungszeichen


Als Erwachsene erinnern wir natürlich nicht mehr jeden Wutausbruch. In unserem Unterbewusstsein abgespeichert bleibt aber, wie wir uns in Konflikten oder bei Gefühlsausbrüchen als Kind gefühlt haben und vor allem wie mit uns umgegangen wurde. Kinder, die mit ihren Wutausbrüchen oft alleine gelassen werden, ins Zimmer gehen sollen oder selbst die Flucht suchen, bis sie sich alleine wieder beruhigt haben, neigen dazu dieses Verhalten auch als Erwachsener zu leben. Einfach, weil sie es nicht anders kennen und können. Lernt man als Kind nicht über Gefühle zu sprechen, weil es weder Vorbilder zu Hause gibt, noch einen Raum dafür, tut man sich oft auch im späteren Leben schwer und es kann passieren, dass man als Erwachsener dann stunden- ja sogar tagelang in seinen Gefühlen feststeckt, nicht drüber reden kann. Eine Klärung des Konflikts gibt es dann oft nicht, sondern einen plötzlichen „als wäre nie etwas gewesen Switch.“ Für eine Paarbeziehung oder Freundschaften sind solche Verhaltensweisen natürlich herausfordernd und eher Gift, statt gemeinsam zu wachsen. Du merkst also: Sich als Eltern Gedanken zu machen, wie man zu Hause mit Gefühlen, Gefühlsstürmen und unterschiedlichen Bedürfnissen umgeht, zahlt sich für die emotionale Reife und zwischenmenschliche Beziehungen aus.


Wer noch mehr über das Nein sagen lernen möchte, dem empfehle ich aus Überzeugung das Buch "Nein aus Liebe" von Jesper Juul. Dies richtet sich zwar an Eltern mit schon etwas älteren Kindern, die Haltung kann man aber von Anfang an in sich tragen und über die Jahre üben und festigen.


In diesem Sinne. Viel Spaß beim Nein sagen üben.


Maria


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